Berufsbild: Was macht ein Channel-Medium?

erzengel

Ein spirituelles Channel Medium zu sein, ist kein leichtes Brot. Alles spielt sich praktisch im Kopf ab. Du sitzt gerade beim Frühstück und willst du die Zeitung lesen… auf einmal springt dir eine Message durch den Kopf. Irgendjemand „klopft“ an und will Kontakt zu dir aufnehmen. Dein Partner schaut dich an und fragt: „Ist was?“. Du schüttelst nur den Kopf: “Ach, was, da ist nur ein Geist in meinem Kopf“, sagt du lapidar, denn du kennst das Spiel.

Seelen in deinem Kopf

Tja, so ist das, wenn man den Job Channel-Medium gewählt hat. Nicht immer kann man alle „Geister“ oder Seelen in Schach halten. Denn die sind unglaublich neugierig und wissen, dass du morgen oder übermorgen einen Termin bei diesem Channel Medium hast und genau nach dieser Seele fragen wirst. Was liegt näher, als sich als Seele schon einmal im Vorfeld bemerkbar zu machen? Prinzipiell sind die Seelen auch sehr nett, wenn man sie wegschickt und auf den Termin, in zwei Tagen, verweist. Manche andere hingegen sind etwas hartnäckiger. Besonders die, die erst frisch verstorben sind. Da hängt noch eine gute Portion Ego in der Luft… und das lässt sich nicht so einfach wegschicken. Dann gibt es nur noch eine Methode: Ignorieren! Schliesslich hat man als Channel Medium doch auch ein Privatleben.

Mein Kopf gehört mir! kann die Parole auf dem Demo-Schild eines Channel Mediums lauten? Nun, soweit geht es nun vielleicht doch nicht. Und jeder Beruf bringt auch seine Schattenseiten mit sich. Doch die Profis unter den spirituellen Sehern wissen damit umzugehen. Zwei Tassen starken Kaffee und die Morgennachrichten sorgen dafür, dass du wieder richtig schön geerdet bist. Und das macht es den Seelen schwer sich in deinen geistigen Horizont einschwingen. Denn jeder Sender braucht auch einen Empfänger! Jetzt aber steht dein Empfang auf den Morgennachrichten. Das was für andere Menschen eine Schwierigkeit ist, fällt dir erheblich leichter: den Kopf zu befreien. Dafür musst du dich manchmal bewusst dafür entscheiden, den Kopf zu füllen mit unnötigem Gedankengut, damit du in der Erdung bleibst.

Das Channel Medium im Termin

Wenn das Channel Medium in die Arbeit geht und ein Termin kurz zuvor ansteht, tummeln sich die Seelen regelrecht in deinem Kopf. Da kann schon einmal was durcheinanderkommen, wenn sich gleich vier Vaterenergien bemerkbar machen. Das muss alles sortiert werden, denn der erste Klient fragt bereits nach seinem Vater. Wer von den vieren ist das nun? Eine gezielte Fragetechnik und ein wenig emotionale Intelligenz sollte man also schon mitbringen, wenn man ein Channel Medium werden will. Schliesslich sprichst du mit vielen Menschen und Seelen. Und die Seelen bringen in aller Regel keinen Personalausweis zum Termin mit. Also muss man den richtigen ausfindig machen, der zu deinem Klienten gehört. In aller Regel gelingt das auch problemlos.

Dumm wird es nur, wenn dieser verstorbene Vater gar keine Lust hat auf ein Gespräch mit seinem hinterbliebenen Sohn. Dann ist wirklich viel Feingefühl gefragt, was ein Channel Medium an den Tag legen muss. Wie erklärt man nun diesem Sohn, dass der Vater keinen Bock auf Small Talk hat? Natürlich gibt es dafür einen Grund. Und diesen hat dir die Vaterseele auch schon längt gesteckt. Doch es ist ein Drahtseilakt, diese Argumentation jetzt zum Ausdruck zu bringen, ohne dass der Sohn sich emotional verletzt fühlt. Das geschickte Verpacken von schlechten Nachrichten in neutrale, ist also auch eine Kunst, die das Channel Medium beherrschen sollte.

Aber auch andere Problematiken tauchen auf bei der Kommunikation mit einer Seele. Mitten im Gespräch mit der Seele bricht plötzlich der Kontakt ab. Wo ist die Seele nun hin?, fragst du dich. Du suchst sie mental, wirst aber ad hoc nicht fündig. Vor dir sitzt immer noch der Sohn, der gespannt auf deine Antworten wartet. Während du im Orbit der Sphären wieder den Kontakt zu dem Vater aufnehmen willst, grätscht dir eine verstorbene Katze dazwischen. Die ist doch erst später dran, denkst du! Du musst sie wegschicken, sonst kann dir der Vater komplett abhanden kommen! Doch alles wendet sich zum Guten. Plötzlich nimmst du den Vater wieder wahr. Puuh, das war knapp, denkst du noch. Der Vater erklärt dir, warum er kurzfristig „ausgestiegen“ ist.

Der nächste Termin hingegen läuft viel geschmeidiger. Es ist eine Tochter, die mit ihrer verstorbenen Mutter sprechen möchte. Noch bevor die Tochter eine Frage stellen kann, schiessen ihr die Tränen aus den Augen. „Ich spüre sie… direkt in meinem Herz“, schluchzt sie. Du weisst, das so etwas häufiger vorkommt. Es zeugt auch davon, dass das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter eine starke Bindung aufweist. Und die Tochter ist offenbar gut empfänglich für den Kanal der Emotion. Dieses Channeling ist leicht, denn alle Beteiligten sind froh darüber, dass sie miteinander sprechen können.

Die Tochter weint mehr oder weniger ununterbrochen, weil so viele Emotionen auf sie einwirken. Und wenn eine liebe Seele einen Liebesgruss in dein Herz schickt, dann kann man das schon richtig gut spüren. Die Taschentuchbox muss her! Und von diesen Boxen hast du in der Tat reichlich Vorrat. Das Gespräch ist sehr liebevoll und du fühlst mit. Es ist schön, so etwas mitzuerleben und zu fühlen, wie nah sich die Lebenden und Toten in diesem Moment sind. Für die Tochter wirkte das Channeling geradezu befreiend. Alle Fragen, die auf dem Herzen lagen, wurden beantwortet. Und sie scheint einen viel friedlicheren Gesichtsausdruck zu präsentieren als zu Beginn der Sitzung.

Der Tag ist um und du kehrst müde aber glücklich nach Hause. Schön, dass dein Mann gekocht hat, denkst du noch und freust dich. Nach dem ersten Bissen, kannst du es nicht fassen, was wieder in deinem Kopf passiert. Der verstorbene Vater von heute Morgen meldet sich. Doch jetzt bleibst du resolut. Du erklärst ihm, dass du Feierabend hast und er warten soll, bis sein Sohn wieder mit ihm sprechen will. Der Tag war sehr vielfältig.

Gott sei Dank sind nicht alle Tage so. Solche Vorkommnisse häufen sich meistens nur dann, wenn du ein Channeltag bevorsteht mit ein oder zwei Terminen. Ansonsten hast du schon deine Ruhe und kannst ganz normal leben wie alle anderen auch. Wer damit nicht umgehen kann, dass in seinem Kopf sich Geister tummeln, die etwas zu sagen haben, sollte einen anderen Job wählen.