Der Chef kann mich nicht leiden!

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Dein Chef kann dich nicht leiden, glaubst du? So ein Eindruck kann schnell entstehen. Letztlich verbringen wir einen Grossteil des Tages auf der Arbeitsstelle. Menschliche Belange spielen hier eine Rolle. Doch manchmal steigern wir uns auch in etwas hinein. Um zu verstehen, warum du das Gefühl der Ablehnung spürst, gilt es, die Dinge näher zu betrachten.

Privates wird mit beruflichen Aspekten vermischt

Zunächst einmal dürfte klar sein, dass Chefs Menschen sind. Und manchmal ist es so, dass die Professionalität eines Vorgesetzten auf der Strecke bleibt. Emotionen, Erlebnisse aus dem Privatleben und Erfahrungen werden mitgenommen - ins Büro. Wer als Chef keine Möglichkeit hat, sich ein Ventil für aufgestaute Emotionen zu schaffen, wird wohlmöglich eine andere Lösung suchen. Und die lautet dann: der Mitarbeiter. Es ist derjenige, dem der oft begegnet und viele Stunden am Tag in Interaktion tritt. Auch wenn das nicht so sein soll, kann sich wohl kaum einer davon freisprechen, Groll aus auf einen Mitarbeiter abgewälzt zu haben. In aller Regel verfliegt diese negative Energie aber wieder und die Stimmung dürfte sich wieder stabilisieren. Doch was ist, wenn dieser Umstand nicht eintritt? Zwangsweise gehst du als Mitarbeiter dann davon aus, dass etwas anderes dahintersteckt. Der Chef kann dich augenscheinlich nicht leiden, ist deine Schlussfolgerung.

Verdrängten Anteile im unteren Bewusstsein

Ist die Analyse so einfach? Vielleicht steckt mehr dahinter, als du zu glauben vermagst. Denn es ist denkbar, dass du einer Spiegelung unterliegst. Du spiegelst deinem Chef etwas, was er selbst verdrängen möchte. Das sind die unbewussten Anteile in uns, die wir nicht mögen. Oder es sind Erfahrungen, die wir gemacht haben, mit denen wir uns später nicht mehr identifizieren möchten.

Eine Spiegelung ist eine Sache, die wir selbst verdrängt haben. Eine andere Person jedoch, zeigt genau dieses Profil. Du schaust sozusagen jeden Tag in die verdrängten und unerwünschten Anteile deines Selbst. Das wir das nicht mögen, versteht sich von ganz alleine. Schliesslich lehnen wir diese Anteile in uns ab; mögen sie nicht mehr oder möchten keine Identifikation damit herstellen. So kann es sein, dass der Mitarbeiter eine Seite zeigt, die der Chef selbst einmal pflegte, aber im hier und jetzt ablehnt. Du glaubst dann, der Chef kann mich nicht leiden!

Typisch für solche Spiegelungen finden wir bei Ex-Rauchern. Sie haben es erfolgreich geschafft, das Rauchen aufzugeben. Seitdem mutieren sie zu gnadenlosen Verfechtern der Anti-Rauch-Kampagnen. Jeder der raucht, muss sich anhören, wie charakterschwach man ist. Einige Ex-Raucher lehnen es sogar konsequent ab, mit Rauchern eine Freundschaft zu führen. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber ein grandioses für eine Spiegelung.

Unerfüllte Wünsche und Ziele

Aber auch unerfüllte heimliche Wünsche und Begierden spielen bei einer Spiegelung eine Rolle. Das sind Dinge, die man immer einmal machen wollte. Aber es ist nie dazu gekommen, weil die Sache vielleicht verwerflich ist oder von den Eltern verboten wurde. Doch die heimliche Sehnsucht ist immer geblieben. Um sie abzustellen, wird sie verdrängt. Auch Verhaltensweise können eine Spiegelung sein. Das kann etwas sein, was dem Chef selbst untersagt wurde oder etwas was er sich abgewöhnen sollte. In der Verdrängung wird dieses Verhalten dann auch tatsächlich willentlich untersagt. Doch jetzt zeigst du als Mitarbeiter genau dieses Verhalten auf. Der Chef rast innerlich vor Wut und du erfährst das Gefühl der Ablehnung. Doch es wichtig zu wissen: nicht du wirst abgelehnt, sondern die Verhaltensweise.

Nicht du wirst ablehnt!

Wie dem auch sei, ins Kreuzfeuer einer Spiegelung zu geraten, ist kein leichtes Brot. Doch vielleicht hilft es, wenn du dir immer sagst: Nicht ICH werde abgelehnt, sondern das, was sich spiegele.