Das Orakel – ein Relikt der Mythologie

das Orakel

Wenn wir von einem Orakel hören, erinnern wir uns an die Fussballweltmeisterschaft. Die Krake Paul sollte verraten, wer das nächste Spiel gewinnt. Je nachdem, wohin sich die Krake bewegte, gab es die gewünschte Auskunft. Doch eigentlich ist ein Orakel ein Relikt der Mythologie und gar nicht up to date.

Das Orakel als Superstar

Die Anhörung eines Orakels war im alten antiken Griechenland der Renner. Dazu gab es auch entsprechende Orakelstätten. Anders als beim Hellsehen oder Wahrsagen ist das Orakel vielmehr der Prophezeiung ähnlich. Das Medium befragt nämlich eine höhere Instanz. Was oder wer diese höhere Instanz ist, bleibt offen. Häufig wird von der Stimme Gottes gesprochen, wenn es darum geht, die Quelle der Antworten zu erläutern.

Das Orakel wurde für übergeordnete Belange eingesetzt und nicht für die persönliche, individuelle Zukunftsdeutung. Es geht hier um Kriege, Katastrophen, die das Land betreffen oder andere globale Schicksalsschläge. Früher betrachtete man die Botschaft des Orakels als Wille Gottes - ein Schicksal, was als unabwendbar galt. Nichtsdestotrotz hatte das Orakel einen hohen Stellenwert. Fast schon wie ein Superstar wurde das jeweilige Medium behandelt.

Die weissagende Priesterin schützte sich

Die weissagende Priesterin im Orakel (genannt Pythia), die eigentlich keine individuellen Beratungen vereinbarte, war dennoch umzustimmen. Wenn das Geld stimmte, bekamen die begüterten Klienten eine ausführliche Antwort. Auch wenn diese, wie immer, rätselhaft war. Sie gab Auskunft über den Sinn des Lebens, Rachepläne oder kriegerische Strategien. Im Zusammenhang mit dem Medium gibt es ebenfalls Orakelsprüche. Dieses sind keinesfalls klar und eindeutig, sondern sehr schwammig gehalten. Damit schützte sich das Medium vor dem Groll ihrer Klienten, falls eine Aussage nicht zutraf.

Orakelstätten und Mythologie

Eines der bekanntesten Orakelstätten ist das Orakel von Delphi. Zunächst gab das Medium nur einmal im Jahr eine Botschaft aus. Der Ablauf der Befragung erfolgte nach einem strengen Ritual. Auch Opfergaben spielten dabei eine Rolle. Ein wenig rätselhaft konnten diese Botschaften schon sein. Das erinnert uns auch wieder an Prophezeiungen, so wie diese von Nostradamus. Einige weissagende Priesterinnen starben auch bei diesem Ritual. Häufig lag es daran, dass die Dämpfe und der Rauch, die zum Ritual gehörten, nicht ganz ungefährlich waren.

War ein Orakel bestechlich?

Dass ein Orakel unglaublich geschätzt wurde, ist ein Fakt. Ohne die positive Entscheidung des Mediums für einen Krieg, ging nichts. Dann blieben die Männer lieber zu Hause. Nur in Ausnahmefällen wurden die Orakelbotschaften übergangen. Da das Medium hauptsächlich über politische Strategien und Kriegsambitionen Botschaften verbreitete, dürfte eine These im Raum stehen. War das Medium auch korrupt? Nachweisbar ist diese These nicht. Aber es liegt nahe, dass ein Orakel, welches wie ein Meinungsmacher agierte, diesen Einfluss ausnutzte. Wer als Pythia infrage kam, um das Orakel zu sein, bestimmten die Einwohner von Delphi.

Das moderne Orakel

In unserer modernen Zeit beschäftigen wir uns dann doch lieber mit Orakel-Karten. Der Weg ist in diesem Zusammenhang kurz, wenn es darum geht, sich die Karten legen zu lassen. Hoch beliebt ist das Liebesorakel, welches im Zusammenhang mit Tarotkarten seine Anwendung findet. Aber auch die Schamanentrommel darf als Orakel hinzugezählt werden. Dabei wird auf die Membran der Trommel geschlagen. Ein Gegenstand, der sich darauf befindet, hüpft auf. Je nachdem wohin sich dieser Gegenstand bewegt, ist das als Botschaft zu deuten. Auch das klassische Pendeln darf in diese Kategorie fallen. Hier werden die Fragen mit „ja“ oder „nein“ beantwortet – je nachdem wohin das Pendel ausschlägt. Auch das Bleigiessen kann im weitesten Sinne als orakelhafte Botschaft zu verstehen sein.