Der Schutzengel – das Berufsbild

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Schon zu Lebzeiten hattest du ein ausgeprägtes Helfersyndrom und dein sechster Sinn war scharf wie ein Rasiermesser? Sehr gut, denn dann ist der Job als Schutzengel vielleicht ideal für dich. Zudem ist es für dein spirituelles Fortkommen ein Sprungbrett. Mögliche Aufstiegsszenarien: Erzengel oder sogar ein Thron oder Fürstenstamm. Ganz klar ist der Fakt, dass man dazu tot sein muss, um diesen Job anzutreten. Wenn du im irdischen Leben schon einen Beruf im sozialen Umfeld, in der Pflege oder der Psychologie ausgeübt hast, wird du leicht an diesen Job kommen.

Der Schutzengel sollte sein Karmakonto dementsprechend gepflegt, lückenlos und ansprechend ausweisen können. Denn das Karmakonto ist das Zeugnis deines Lebens. Ein lückenloses Karmakonto besagt, dass du dich in keinem Leben vor der Karma Aufgabe gedrückt hast. Allerhöchstens hast du was übersehen, aber dann war das ein Flüchtigkeitsfehler, aber nicht deine bewusste Absicht.

Der Schutzengel - das Casting

Zur Bewerbung geht es geradewegs ins Jenseits und hier sind manchmal die Erzengel oder Throne die Personalchefs. Dein Arbeitgeber, der Schöpfer selbst, wird wohl kaum beim Bewerbungsgespräch dabei sein. Es kann sein, dass zunächst eine Arbeitsprobe abverlangt wird und du einen Test durchlaufen musst, damit du angenommen wirst. Aber diese sind nicht wirklich schwierig. Meistens handelt es sich um eine virtuelle Szene, die dir gezeigt wird. Diese Szene wird dir gezeigt, ähnlich wie in einem Simulator.

Das kann eine Sache sein mit einem Menschen, die so aber nicht stattfinden soll. Du musst dafür sorgen, dass dieser Mensch das Ereignis überlebt. Egal wie: der Tod des Menschen muss verhindert werden. Das bedeutet: Kreativität und Ideenreichtum ist von Nöten, wenn du Schutzengel werden willst. Ein gutes Gespür für dreidimensionale Szenen und spontane Lösungsansätze finden, wären optimal, wenn du diesen Job machen willst.

Nah bei seinen Angehörigen sein

Hast du diesen Test bestanden, werden dir menschliche lebende Seelen zugeteilt, für die du verantwortlich bist. Wenn du Interesse daran hast, einen lebenden Angehörigen zu beschützen, so dürfte unter Umständen auch das möglich sein. Die meisten Bewerber, die Schutzengel werden wollen, machen diesen Job nur aus diesem Grund. Sie wollen den lieben Hinterbliebenen beschützen und in seiner Nähe sein. Doch auch andere Seelen verlangen von dir die Aufmerksamkeit. Das kann manchmal zum Spagat ausarten, aber es ist dein Job. Schliesslich wird dein Angehöriger sich nicht jeden Tag in seiner lebensbedrohlichen Situation befinden. Der Schutzengel muss also Prioritäten setzen.

Der Engel flüstert dir etwas zu

Prinzipiell fängt deine Arbeit viel früher an als an der Stelle, wo das Unheil schon im Gange ist. Du versuchst schon vorher, den Menschen auf andere Gedanken zu bringen. Zu deinem Klientenstamm gehört auch Kevin. Er rast gerne mit dem Auto und ist ein hitziger Typ, der spontan ist und selten ruhige Momente hat. Heute wird er mit dem Wagen die Strecke fahren, wie er sie immer fährt. Und auf dieser Strasse wird ein Unfall passieren. Dieser ist zwar nicht tödlich, aber auch nicht vorgesehen in seinem Lebensplan. Das Ereignis muss verhindert werden, wenn es eben geht. Du weisst, dass Kevin an der Kreuzung stehen wird und die Möglichkeit hätte, nach links abzubiegen, um nach Hause zu kommen. Regulär nimmt er die Strecke, bei der er rechts abbiegt und auf der dieser Unfall geschehen wird.

Dass das ein hartes Brot wird, ahnst du schon. Aber du lässt nichts unversucht. Denn sehr viele Faktoren spielen hier eine Rolle, die alle einkalkuliert werden müssen. Kevin steht nun an der Kreuzung – die Ampel ist rot. Jetzt sendest du ihm einen Gedanken in seinen Kopf: „Du biegst besser links ab“. Du siehst, wie Kevin komisch den Kopf schüttelt. Der Gedanke ist wohl angekommen, aber für ihn klingt er absurd. Er fährt doch immer die andere Strecke. Die Ampel springt auf Grün und Kevin biegt rechts ab. „Verdammt“, schimpfst du innerlich und hörst selbst ein Raunen aus dem Universum. Fluchen sollte ein Schutzengel nicht, aber man nimmt es dir nicht übel, denn du warst ja erst kürzlich noch ein Mensch. Diese Gepflogenheiten verblassen, je länger du im Jenseits bist.

Der Unfall muss abgewendet werden

Die Unfallszene naht und du musst dir was einfallen lassen, damit Kevin sein Bein behält, was ansonsten amputiert werden müsste. Einen Wagen mal so eben aus seiner Bahn zu schieben, ist nicht so einfach. Aber du könntest die Fahrertüre öffnen, damit er zuvor hinausfällt. Ein paar Schrammen und vielleicht ein Knochenbruch wären dann das Resultat. Die Szene ist machbar, hörst du von deinem Tutor, dem Erzengel. Es ist selbstredend, dass für die Idee, die der Schutzengel vorschlägt, auch eine Machbarkeitsstudie durchgeführt werden muss. Sonst geht alles in die Binsen. Jetzt wirst du noch unterstützt von deinem Tutor – später musst du selbst die Machbarkeitsstudien und mögliche Szenarien kalkulieren. Du erinnerst dich an dein Casting, indem ein ähnliches virtuelles Szenario als Test diente und was du hervorragend gemeistert hast. Doch jetzt ist das echt und es fühlt sich anders an. Der Schutzengel hat jetzt die Aufgabe sich etwas einfallen zu lassen.

Im passenden Moment öffnest du die Fahrertüre. Für Kevin, der ohnehin nie angeschnallt ist, ist das jetzt ein Segen. Im anderen regulären Fall wäre es ein Mega-Unheil gewesen. Denn dadurch, dass er nicht angeschnallt war, rutschte er mit seinem Körper weg und sein Bein wurde dabei so ungünstig eingeklemmt, dass es später amputiert werden musste. Aber jetzt siehst du, wie der Körper von Kevin durch die Luft fliegt. Der Wagen rast alleine weiter und prallt auf. Du schaust nach ihm, wie er jammernd in der Böschung liegt. Sein Bein ist in Ordnung – er hat nur eine gebrochene Rippe. Wunderbar, denkst du, das hat geklappt und atmest erleichtert auf.

Es wird über dich geredet

Acht Wochen später bemerkst du im Universum, dass jemand über dich spricht. Du ortest die Quelle und landest bei Kevin im Wohnzimmer. Er erzählt von diesem Unfall und berichtet, dass er eine innere Stimme wahrgenommen hat, die ihm sagte, er sollte links abbiegen. Schlau, wie er ist, leitet er ab, dass dann der Unfall nicht passiert wäre. Und er erkennt, dass es ein Glück war, dass sich die Fahrertüre geöffnet hat, sonst wäre er vermutlich tot. Seine Frau erwidert weise: „Du hast einen Schutzengel gehabt“.

Ruhm, Ehre und schöne Worte

Als Schutzengel fühlt man sich vielleicht berührt, wenn man als Retter in der Not erkannt wird und die Dankbarkeit spürt, die durch die Atmosphäre zu dir schwebt. Dennoch ist es ein knochenharter Job und nicht immer kannst du helfen. Manchmal geht es schief, auch wenn dein Plan noch so ausgefeilt war. Das musst du abhaben können, sonst ist der Job nichts für dich.